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Der Leipziger Bewegungskunstpreis 2011 geht an die Choreografin Yoshiko Waki und Bodytalk. Sie erhielt den mit 5.000 Euro dotierten Förderpreis der Leipziger Freien Szene für ihr Tanztheaterstück „Zig Leiber/Oi Division“.

 

 

Die Fachjury kürte die Gewinnerin während der Festveranstaltung am 2. Juli im LOFFT am Lindenauer Markt. In diesem Jahr hatten sich 19 abendfüllende Inszenierungen des zeitgenössischen Tanzes, der Performance-Kunst und des Theaters / Tanztheaters beworben.

   
 

„Zig Leiber/Oi Division“ (Yoshiko Waki, BODYTALK)

 Radikal rabiat. Die Company BODYTALK okkupiert die Bühne und macht sie zum Schlachtfeld. Körpersprache als konsequenter Körperkrieg. Den Rhythmus dazu liefern die Songs der JOY DIVISION.

 

   
 

In der Jurybegründung zu „Zig Leiber/Oi Division“ heißt es:

„Das selbstkritische, mithin selbstironische Potential, das Torpedieren, oder im wahrsten Sinne, das mit der Baseballkeule zerkloppen inhaltlich-ästhetischer Zeitgeist-Theater- Phrasen, ist eine der reizvollen Konstanten dieser Inszenierung. Die fünf Tänzer und die Choreografin von Bodytalk verknüpfen das, was sie zu sagen haben mit ihrem unmittelbaren Auftrittsort, nichts ist entrückt. Yoshiko Waki löst Genregrenzen mühelos auf. [...] Den Soundtrack zu Zig Leiber/Oi Division liefern Stücke der Joy Division. Die zeigen sich als perfekt geeignet, um die Gewalt unterm Firniss gesellschaftlichen Miteinanders, die Melange aus unterdrückten Aggressionen, Ressentiments und schlichter Geilheit, ungemein dynamisch explodieren zu lassen. Exzess im minimalistischen Rhythmus-Korsett. Phantastisch. Da wird alles Gewalt und jeder gewalttätig. [...] Die große Stärke von Zig Leiber/Oi Division liegt nicht zuletzt darin, sich dieser, auch sexuell aufgeladenen, Aggressionslust anzunehmen. Ihr eine Form zu geben und sie zuende zu denken und auszuspielen. Weniger als Zusammenstoß von Tanz und Realität, sondern vielmehr als ein mitunter irrwitziges Verkeilen dieser beiden Komponenten ineinander. Was daraus entsteht, ist eine ungeheure dynamische Inszenierung, die knurrig, grantig, absurd, radikal-konsequent und ohne moralisierenden Gestus das Schwein im Menschen zeigt. Und dabei auch immer mal die Sau raus lässt.“

 

 

 

 

 

Weitere Nominierte für den Leipziger Bewegungskunstpreis 2011

   

 

„Reigen“ (Christian Hanisch, Das ÜZ/De lekkere Compagnie)

 Es geht um Sex. Und um Lebendigkeit. Valerie Habicht-Geels und Alexander Fabisch spielen sich die Seele aus dem Leib und den Leib von der Seele. Spielfreude und Verwandlungslust auf engstem Raum.

   

 

„Bei Einbruch der Nacht“ (Stefan Ebeling/Ulrike Schauer, TheaterschaffT)

  Eine Holzhütte wird abgebaut, die Wände zum Grab aufgetürmt. Doch vor dem Abschied gibt es noch so viel zu erinnern. Regisseur Stefan Ebeling und Choreografin Ulrike Schauer schaffen durch sensible Figurenzeichnung und klare erzählerische Konzeption einen melancholischen Theaterabend, dessen nachhaltiger Wirkung sich niemand entziehen kann.

   

 

„((42))“ (Billa Christe/ Michael Wolf, TheaterTurbine)

 Boulevard mit Mut zum Einfachen, das so schwer zu machen ist. Heraus kommt nicht Klamauk um des Klamauks willen, sondern hoher Wiedererkennungswert durch kluge Sozialstudien. Theater-Handwerk und Unterhaltung im besten Sinne des Wortes von der Theaterturbine.

   

 

„Coppe Lia“ (Gesa Volland, Die VILLA)

 Menschen mit divergierenden Bewegungsfreiheiten führen eindrucksvoll vor Augen, wie eng die als normal geltenden Vorstellungen vom Tanzen und vom guten Leben eigentlich sind. Im ganz freien Spiel nach E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Der Sandmann“ und der "Coppélia"-Oper Léo Delibes' stellen sie begehrlich-bewegt die ideale Schönheit höchst ansehnlich in Frage.